re:publica 2015

15rp gv1 010Interviewer: Hallo, Guten Tag. Ich sehe Sie sind eine Gruppe des SeniorenComputerClubs Berlin-Mitte.

Sie hat es wieder auf die re:publica verschlagen. Stellen Sie sich doch bitte kurz vor: Karola, Regina, Giesela, Max und Günter. Ich möchte Sie zu Ihren Eindrücken von der re:publica befragen. Sind Sie alle zum ersten Male hier. Nein, Regina und Max sind zum ersten Mal hier. Dann eine FRage an die "Neulinge": Regina, welche Eindrücke nehmen Sie von der re:publica mit: "Ich wusste zunächst nicht was mich erwartet. Der Einstieg mit Prof. Dueck war echt gelungen. Der Tipp unseres Koordinators war gut. Für mich war auch überzeugend mit welcher Vielfalt und Tiefe die Themen diskutiert wurden. Zwischen den Generationen gibt es keine Berührungsängste. Beim nächsten Mal werde ich noch gezielter Vorträge auswählen."
Max, Sie waren auch zum ersten Mal hier in der Station Berlin: "Beeindruckend waren für mich  die Größe und die Vielfalt der Themen. Es ging in den Foren ja nicht nur um reine Computertechnik im weitesten Sinne sondern auch um alltägliche Fragen/Probleme unseres Zusammenlebens wobei der Einsatz dieser Technik wirksam und überzeugend als Mittel zum Zweck dargestellt wurde. Sein es Fragen des Umweltschutzes, der Klimaveränderungen durch den Menschen, der Abfallwirtschaft, der Lebensmittelverschwendung in den reichen kapitalistischen Ländern,  der Stressbewältigung am Arbeitsplatz oder modernen Ausbeutermethoden des Managementsystems in unserer Zeit; um nur einige Foren zu nennen an denen ich reingehört habe. Erfreulich war für mich in allen Veranstaltungen auch zu hören welche Gedanken und Vorschläge die Referenten und Beteiligten hatten um diese ( meisten Missstände) zu beheben und um Abhilfe zu schaffen die nicht gleich Milliarden kosten. Dabei muss man nicht in jedem Fall allem zustimmen aber ernsthafte Denkanstöße zu positiven Veränderungen sind sie allemal. Hier sollten sich mal unsere "Politiker und Volksvertreter" umschauen dann würde so mancher absurde Beschluss im Parlament zur Gesetzgebung anders aussehen bzw. wäre völlig überflüssig!
Als wohltuend und erfrischend empfand ich auch die Atmosphäre in den Diskussionsforen und das engagierte Auftreten vieler junger Leute so dass ich die Hoffnung habe, dass sich eines Tages doch noch die richtigen, sachkundigeren Menschen in Wirtschaft und Politik durchsetzen werden!?
Vielleicht sollten auch im Zuge der ständig zunehmenden älteren (PC - vorgebildeten) Generation einige Themen betreffend mehr im Veranstaltungsplan der nächsten re:publica aufgenommen werden." Karola, Sie waren ja schon im vergangenen Jahr hier zu Besuch. "Auch dieses Jahr konnte ich den Event besuchen. Es war wieder ein Erlebnis.  Aus den zahlreichen Vorträgen  für „Beginner“ war die Auswahl nicht einfach.´Zuerst besuchte ich den Vortrag von Gesche Joost mit dem Thema „Code Week Award: Digitale Kompetenz durch kreatives Programmieren bei Kindern und Jugendlichen“. Hier wurden zahlreiche Projekte vorgestellt u.a.  „Reaktive Voodoo-Puppen“.  Diesen Workshop werden wir voraussichtlich auch im SeniorenComputerClub Berlin-Mitte durchführen. Weiter  ging es am nächsten Tag mit den Vorträgen „Schwarmdummheit“,  „Die Aufmacher ¬– eine Revue zu den Absurditäten von technischem Fortschritt und Wachstum“ und  „Hype, Hype, Super-Hype“.
Giesela welche Eindrücke nehmen Sie mit, Sie sind ja auch kein "Neuling" mehr. "Nach der großen Resonanz auf die re:publica 2014 war es natürlich eine Selbstverständlichkeit für den SCC die re:publica 15 zu besuchen. War schon letztes Jahr ein Riesenangebot zu bewältigen, muss man sagen, das hat sich alles noch mächtig gesteigert. Als Besucher muss man sich unter den vielfältigen Veranstaltungen entscheiden, ansonsten verliert man ganz einfach dem Überblick. Als erstes ging unsere Gruppe, bestehend aus fünf Mitgliedern, zum Vortrag von Gunter Dueck „Schwarmdummheit“, der sehr kurzweilig war, bewies er doch, dass nicht unbedingt das, was alle machten, auch sinnvoll und richtig sein muss. Anschließend besuchten wir gemeinsam „Die Aufmacher – eine Revue zu den Absurditäten von technischem Fortschritt und Wachstum“. Hier ging es u. a. um die unsinnige Produktion von Müll und um Industriegüter, die ein vorprogrammiertes Verfalldatum aufweisen. Diese Fakten waren allerdings für uns alle nicht neu. Aber nun kommt's: Man kann den Herstellern nämlich ein Schnippchen schlagen. Denn als ich so allein vor mich hinschlenderte, kam ich zu einem Stand, der Ergebnisse eines 3-D- Druckers präsentierte, als da wären: Tassen mit Untertellern, Statuen, Schmuck, den schiefen Turm von Pisa, einen Torso von Karl Marx und, und und...Aber auch Ersatzteile für Elektrogeräte!!! Also:  Einfach so ein beschädigtes Teil selber drucken und dem Herstellern die lange Nase zeigen. Im Moment wegen des Preises für Otto Normalverbraucher wohl noch Zukunftsmusik, aber wie hieß es in den 40er Jahren über den Computer? (In der Welt werden

höchstens 5 solcher Geräte gebraucht!! haha). An einem anderen Stand versorgte man mich mit einer Armbanduhr, die Herzfrequenz, Schrittzahl, Anzahl der absolvierten Treppenstufen und verbrauchte Kalorien anzeigt. Eine App auf dem Smartphone verbindet dann die Daten, so dass man Ernährungs- und Trainingsplan angeboten bekommt. So braucht man keinen teuren „Personal-Trainer“. Das ist doch was für uns Ältere! Nun zu meinem Highlight: Der Vortrag von Alexander Gerst; Blue Dot Mission - Sechs Monate Leben und Arbeiten auf der ISS. Eine einzigartige Schilderung der Eindrücke, die man gewinnt, wenn man unsere Erde von außen betrachtet. Es gelang ihm einfach wunderbar, das Publikum mitzunehmen auf den Flug in den Weltraum und auf die ISS. Dazu unvergesslich schöne Fotos und Videoaufnahmen. Unbedingt auf YouTube anschauen!!!!
Insgesamt nach all den furchterregenden Berichten der letzten Zeit über die Gefahren der digitalen vernetzten Welt war die re:publica 15 eine wunderbare Gelegenheit, die nützlichen Möglichkeiten unseres Computerzeitalters zu bestaunen, und so freue ich mich schon auf die re:publica 16!" Guenter, Sie haben bisher geschwiegen. Sie waren auch im vergangnenen Jahr Besucher der re:publica. Gibt es Veränderungen? Was Denken Sie über dieses Event?: "Ich freue mich, dass unsere kleine Gruppe des SCC wieder die Möglichkeit hatte die re:publica zu besuchen. Ich kann feststellen, dass weitaus mehr "Aussteller" vertreten waren und dass rein optisch auch mehr Vertreter der älteren Generation auf der re:publica anwesend waren. Leider waren Seniorenorganisationen nicht vertreten. Erstmals war der CEO der Gesellschaft für Informatik vor Ort. Besonders hat mich gefreut, dass Ilse Mohr vom Silvernerd-Blog mit ihrer Tochter einen Beitrag leistete. Insgesamt fände ich es gut, wenn im kommenden Jahr ein größerer Blick auf die ältere Generation und deren Möglichkeiten sich mit ihrem Wissen und Lebenerfahrung in das Thema einzubringen, gelegt würde. Interessant auch die Revue zu den Absurditäten von technischem Fortschritt und Wachstum. Eine gute Idee die Vereinsgründung "No Murks". Leider ist das Phänomen nicht neu, deshalb gibt es auch so ein altmodisches Wort, bei dem man sich keinen Knoten in die Zunge machen muss. Also "Sollbruchstelle" statt "Obsoleszenz". Für mich bemerkenswert war die Haltung von Sascha Lobo, der, wenn ich es richtig verstanden habe, aus Protest über die "laxe" Haltung der Bundesregierung bezüglich der BND-NSA-Affaire, von der re:publica fernblieb. Chapeau! Das ist meine ganz persönliche Meinung."
Vielen Dank für die Gespräche. Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit im SeniorenComputerClub Berlin-Mitte.

Alle Fotos © 2015 SCC Berlin-Mitte

Fotogalerie: Impressionen von der re:publica 2015

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