Medienkompetenz ist Altersvorsorge
…nachdenklich
…gemeinsam sind wir stark
…bitte auf die Grafik klicken

Startseite

Verlagsbeilage der Tageszeitung nd 29. April 2016    

Berliner Senioren Computer Club
Ach, Computer sind doch auch kein Teufelswerk!
Von Martin Hardt
teufel1»Wenn sich drei Senioren zu einem Thema finden, dann müssen wir jemanden finden, der ihnen dabei hilft. Das ist fast wie Einzelbetreuung.« So beschreibt Günter Voß die selbst gestellte Aufgabe des Senioren Computerclubs Berlin Mitte (SCC) unter dem Dach des KREATIVHAUS e. V., einer Kultur- und Begegnungsstätte mit soziokulturellen Angeboten innerhalb der Kinder-, Jugend-, Erwachsenen- und Seniorenarbeit. Sein Team, bis auf eine 30-Stunden-Kraft alles Ehrenamtliche, wurde im vergangenen Jahr im Wettbewerb »Goldener Internetpreis« in der Kategorie »Trainerinnen und Trainer« neben Margret Budde (79) aus Münster, Ellen Salverius-Krökel (57) aus Stuttgart und Robert Bath (63) aus Greifswald ausgezeichnet. Der Goldene Internetpreis wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO), Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN), Wege aus der Einsamkeit e.V. und Google Deutschland vergeben. Es ist Donnerstag. Dann trifft sich immer um 14 Uhr die Interessengemeinschaft PC-Praxis. Im Seminarraum an dem langen Tisch mit etwa 10 PC-Anschlüssen treffen sich ihre Mitglieder. Alle sind im Rentenalter und doch schon fortgeschrittener im Umgang mit dem scheinbaren Mysterium Computer oder dem Internet. Ehe der heutige Fachmann aus dem eigenen Kreis das Wort ergreift und sein Thema auf dem großen Bildschirm über seinem Kopf beginnt, fragt Günter Voß noch, ob es Interesse daran gibt zu wissen, wie es geht auf einem Computer auch handschriftlich zu arbeiten. Das kann für manche interessant sein, denen es schwer fällt über die Tastatur, und sei es mit dem »drei- Finger-Suchsystem«, mit den Freunden oder den Enkeln via Internet in Kontakt zu bleiben. Auch das geht, wenn man weiß wie. Andere Interessengruppen widmen sich dem Umgang mit dem Tablet. Das sind diese flachen Kleincomputer, die in jede Tasche passen. Eine Gruppe interessiert sich für die Mitarbeit an der Internetwissensplattform Wikipedia. Wieder andere SCC- Mitglieder wollen das Internet für die Belange der Nachbarschaft nutzen. Die IG »Vernetzte Nachbarschaft« stand letztens an der Edeka-Passage der Fischerinsel und animierte die Passanten zum Ausfüllen einer Karte mit ihren Vorstellungen über die Begrünung der Umgebung. Über einen Scanner und eine Lesesoftware erschienen die Vorschlägen sofort im Internet. In diesen Tagen werden sie im KREATIVHAUS zusammengefasst und vorgestellt.
Derzeit ist die IG »Roberta« das Lieblingskind von Günter Voß. Der Roboter-Baukasten auf Lego-Basis ist dafür geeignet, Grundschülern erste Eindrücke vom Programmieren zu vermitteln. Der SCC wird demnächst seine Fachleute an eine Grundschule schicken und damit sogar generationenübergreifend tätig werden. Roberta und so manch anderes Projekt sind für den SCC nur durch Spenden machbar. Selbst mit Gastvorträgen wird Geld für den SCC eingetrieben, um solche Projekt machen können und auch Teilnehmer mit Hartz-4-Brieftasche durch reduzierte Mitgliedsbeiträge zu Mitmachern zu machen. Mit 10 Euro Monatsbeitrag, bei einer einmaligen Anmeldegebühr von 15 Euro, Gäste zahlen 5 Euro für die IG-Teilnahme, macht man keine großen Sprünge. Glücklicherweise hat man einige Sponsoren gefunden. Die 500 Euro vom Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt haben gutgetan. Der offene Treff »Sprechstunde Internet« am Dienstag, kurz Sprint, ist vielleicht die beste Möglichkeit, den SCC kennen zu lernen, wenn man noch nicht so genau weiß, was man vom Computer will und was nicht. Auch wer mit dem Gedanken spielt, sich den ersten oder einen neuen Rechner zuzulegen ist hier an der richtigen Adresse. Eine Kaufberatung sei das aber nicht, wirft Günter Voß gleich ein. Eher eine Vorbereitung auf die unvermeidliche Konfrontation mit den scheinbar so kompetenten Verkaufsberatern der einschlägigen Märkte. An ihnen soll schon so mancher Senior und manche Seniorin mit dem Wunsch, die Rechnerwelt zu entdecken, wutschnaubend oder eingeschüchtert gescheitert sein. Beim SCC auf der Fischerinsel geht man zuvorkommend, eben wohlerzogen miteinander um.
Hier treffen sich keine Dummen. Im Durchschnitt sind die Teilnehmer 73 Jahre alt, hat Voß, seit einem Jahr selbst Rentner, ausgerechnet. Der älteste ist 90 Jahre alt und nutzt das Videoprogramm Skype, um mit seinem Enkel in den USA zum Plaudern. Dass das wurde ihm sicherlich auch nicht in die Wiege gelegt. Die Adresse und die Telefonnummer des SCC lauten:
Senioren Computer Club Berlin-Mitte, KREATIVHAUS e.V., Fischerinsel 10, 10179 Berlin, Tel. 030 27579110